Mitarbeitendenbefragung und Gesundheit

Shownotes

Unsere Auswertung der Mitarbeitendenbefragung zeigt uns, dass es Teams gibt, in denen Führungskräfte und Mitarbeitenden in Schwierigkeiten stecken. Wir sprechen darüber, warum es wichtig ist, hinzuschauen, weil nichts tun der Gesundheit schaden kann.

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00:00:00: Hallo Ralf.

00:00:02: Hallo Silke.

00:00:03: Ralf, wir wollten heute über die Mitarbeitendenbefragung reden

00:00:07: und an der Auswertung der Mitarbeitendenbefragung, die jetzt

00:00:12: noch alle zwei Jahre stattfindet, hast du ja

00:00:14: einen sehr großen Anteil.

00:00:16: Kannst du bitte erklären, worum es dabei geht?

00:00:18: Ja, also tatsächlich haben wir ja in der

00:00:22: Vergangenheit immer jährlich diese Befragung gehabt und jetzt

00:00:27: sind ja seit neuestem auch die Fragen verändert

00:00:29: worden und jetzt ist der Rhythmus alle zwei

00:00:31: Jahre und so groß war der Anteil nicht.

00:00:34: Ich bin ja nicht alleine, der, der die

00:00:36: Auswertung macht.

00:00:37: Meistens sucht jemand die Daten zusammen und ich

00:00:41: bereite sie dann auf, sodass wir dann halt

00:00:43: einen Überblick haben. Und wir alle im Strategieausschuss

00:00:46: gucken dann gemeinsam darauf und machen uns Gedanken,

00:00:49: wie wir die Ergebnisse jetzt tatsächlich zu deuten

00:00:52: haben und wir haben in der Vergangenheit immer

00:00:55: Hilfe angeboten, Zusammenarbeit und das ist nie zustande

00:00:58: gekommen und tatsächlich haben wir jetzt festgestellt, dass

00:01:02: wir- ja sechs Gruppen sind noch übrig, weil

00:01:04: die Vorgesetzten gewechselt haben und so

00:01:08: haben wir jetzt vor, in sechs Gruppen reinzugehen,

00:01:10: die besonders schlechte Ergebnisse haben, um zu verstehen,

00:01:14: was das Problem ist.

00:01:15: Also wir gehen nicht mit der Intention rein,

00:01:18: jetzt schauen wir uns mal an, was der

00:01:19: Vorgesetzte da falsch macht. Weil das sagen die

00:01:21: Ergebnisse nicht immer aus und die Vorgesetzten sind

00:01:24: auch nicht immer die Bösen, weil man darf

00:01:26: nicht vergessen, über die Jahre haben die immer

00:01:29: mehr Aufgaben zugeschustert bekommen, dass die eigentlich kaum

00:01:33: noch Zeit zum Führen haben und die Auswirkungen

00:01:36: sehen wir dann auch teilweise in der Mitarbeiterbefragung.

00:01:39: Ja, kann ich gut nachvollziehen.

00:01:41: Was ist denn jetzt deine oder eure Idee,

00:01:44: wie wir als Betriebsrat diese hilfreichen Ergebnisse gut

00:01:47: nutzen können?

00:01:48: Ja, wir müssen einfach besser verstehen, was das

00:01:50: Problem ist- in jeder einzelnen Gruppe.

00:01:52: Also jede hat ja ihr eigenes Arbeitsklima im

00:01:56: Kleinen und wir haben auch in den Diskussionen

00:02:00: zu den ganzen Fragestellungen, die sich aus den

00:02:02: Ergebnissen bei uns aufgeworfen haben, festgestellt, dass wir

00:02:06: manchmal auch einen Blindflug machen, weil wir meinen

00:02:09: zu wissen, was die Mitarbeitenden umtreibt, was die

00:02:13: bewegt, aber wir haben vorgehabt, zu besonderen Themen

00:02:17: einen Kreis von Betroffenen, Interessierten zusammenzuholen, aber da

00:02:22: sind wir nicht so wirklich mit ins Ziel

00:02:23: gekommen.

00:02:24: Ja, stimmt.

00:02:25: Ich erinnere mich.

00:02:25: Das war unsere Initiative vom Betriebsrat aus, dass

00:02:28: wir so um die zehn Mitarbeitenden mal an

00:02:31: einen Tisch holen und mit jeweils zwei Betriebsräten,

00:02:34: die immer wechseln, dann einfach mal über unterschiedliche

00:02:38: Themen, die uns gerade scheinen unter den Nägeln

00:02:41: zu brennen, zu sprechen. Auch um uns auch

00:02:43: selber zu überprüfen, sind wir da richtig unterwegs

00:02:46: oder haben wir da eine falsche Wahrnehmung?

00:02:49: Oder aber auch, um vielleicht neue Themen zu

00:02:51: identifizieren, die wir gar nicht so auf dem

00:02:53: Schirm haben.

00:02:54: Leider gab es da keine Einigung und wir

00:02:57: müssen jetzt schauen, wie wir ein ähnliches Format

00:03:01: vielleicht in Zukunft gut etablieren können.

00:03:04: Ja, letztendlich ging es nur um die Frage,

00:03:06: ist das jetzt Arbeitszeit oder nicht?

00:03:07: Wenn der Betriebsrat mit Kollegen zusammensitzt. Ich fand

00:03:11: es eigentlich richtig, diese Initiative auch durchzuziehen.

00:03:16: Vielleicht haben wir dann auch die Kraft, das

00:03:17: in den nächsten vier Jahren zu tun. Weil

00:03:19: ich bin fest davon überzeugt, eine Interessenvertretung, die

00:03:21: Arbeitnehmervertretung ist eine Interessenvertretung, kann doch eigentlich nur

00:03:24: die Interessen vertreten, wenn sie weiß, was die

00:03:27: Interessen der Belegschaft sind.

00:03:29: Sehr viele Interessen, aber das ist letztendlich sehr

00:03:32: einfach zu formulieren. Und im O-Ton von

00:03:35: einem Kreis von betroffenen Interessierten zu hören, was

00:03:39: sie tatsächlich bewegt, ist immer besser, als einfach

00:03:43: nur Mutmaßungen zu machen.

00:03:44: Das merkt man ja jetzt bei der Auswertung.

00:03:46: Wir glauben zu wissen, warum, welche Frage wie

00:03:49: beantwortet ist, aber genau sicher sein kann man

00:03:52: da nicht.

00:03:53: Und deswegen ist es so wichtig, auch in

00:03:54: die Gruppen reinzugehen.

00:03:55: Ja, sehe ich genauso.

00:03:57: Und das ist ja gut, dass ihr das

00:03:58: vom Strategie- Ausschuss macht.

00:03:59: Und dann kommt da hoffentlich auch was gut

00:04:02: Verwertbares für alle Beteiligten bei aus.

00:04:04: Wenn man rumschaut, auch ins Kandidatenbuch, das Arbeitsklima

00:04:10: ist immer wieder Thema, zu Recht, weil wenn

00:04:13: das Klima gut ist, kann man auch mit

00:04:15: Freude zur Arbeit gehen und man hat keine

00:04:17: schlaflosen Nächte.

00:04:18: Also das hat einen großen Einfluss drauf.

00:04:20: Und wir merken das ja auch.

00:04:23: Also ich merke das als Schwerbehindertenvertreter, dass der

00:04:25: Teil der betroffenen Kolleginnen und Kollegen, die ich

00:04:28: vertreten darf und muss, die seelisch erkrankt sind,

00:04:31: die Depressionen haben, Burnout bekommen haben, zugenommen hat

00:04:35: über die vielen, vielen Jahre, die ich das

00:04:37: Amt jetzt ausübe.

00:04:39: Und das ist natürlich nicht immer nur die

00:04:40: Arbeit, aber oft, und ich nehme da schon

00:04:43: eine Häufung wahr, und wenn wir da als

00:04:46: Betriebsräte irgendetwas dazu beitragen können, dass die Mitarbeitenden

00:04:49: nicht erkranken, dann ist das jede Initiative, jede

00:04:52: Aktion wert.

00:04:54: Ja, absolut.

00:04:55: Was gibt es da noch anderes zu sagen?

00:04:57: Da hast du vollkommen recht.

00:04:59: Ja, es ist eigentlich simpel.

00:05:01: Aber wenn du einmal in einem BEM-Verfahren

00:05:02: sitzt, du bist ja auch in BEM-Verfahren

00:05:05: involviert, genauso wie ich auch, dann erlebt man

00:05:08: ja, was für Probleme die Wiedereingliederung dann macht,

00:05:13: wenn dann die Betroffenen, die Rückkehrer, die Arbeit

00:05:16: nicht mehr machen können, weil die Last einfach

00:05:18: zu hoch war oder weil sie Angst davor

00:05:20: haben, wieder die gleiche Arbeit zu machen.

00:05:22: Und das ist gar nicht so einfach, dann

00:05:23: eine neue Arbeitsstelle zu finden in einem anderen

00:05:26: Bereich.

00:05:27: Deswegen ist Prävention das beste Mittel, um diese

00:05:31: problematischen Gespräche im BEM-Verfahren zu vermeiden.

00:05:35: Absolut.

00:05:36: Du hast das schön beschrieben anhand der seelischen

00:05:38: Erkrankungen.

00:05:40: Ich möchte aber die Chance hier nicht versäumen,

00:05:43: auch zu sagen, BEMs sind natürlich nicht nur

00:05:45: aufgrund von psychischen Erkrankungen, Burnouts, wie du gerade

00:05:49: gesagt hast, oder Überbelastung, Depressionen, sondern es gibt

00:05:52: natürlich auch die BEMs, die aufgrund körperlicher Einschränkungen

00:05:55: auch sinnvoll sind und gemacht werden müssen, damit

00:05:58: Mitarbeitender und Firmen noch einen langen, guten gemeinsamen Weg

00:06:02: haben.

00:06:03: Also nicht, dass jetzt der Eindruck entsteht, es

00:06:05: geht immer um seelische Erkrankungen.

00:06:07: Aber die Häufung, die nehme ich auch wahr

00:06:10: und sicherlich auch Kollegen.

00:06:11: Du hast völlig recht, das einmal zu erklären.

00:06:13: BEM weiß gar nicht jeder, was es ist.

00:06:15: Also die Gesunden haben da wahrscheinlich noch nie

00:06:17: Kontakt gehabt.

00:06:18: BEM ist die Abkürzung für betriebliches Eingliederungsmanagement.

00:06:21: Und jeder Betroffene, Erkrankte, ganz gleich, wie die

00:06:25: Krankheit heißt und wie sie sich auswirkt, ob man

00:06:27: da jetzt mit dem Rolli unterwegs ist oder

00:06:29: an Krücken, das spielt keine Rolle.

00:06:30: Man muss nur in einem Jahr, und wir

00:06:33: reden nicht vom Kalenderjahr, sondern tatsächlich von 52

00:06:36: Wochen, da muss man sechs Wochen krank sein.

00:06:39: Und zwar nicht am Stück, sondern in Summe.

00:06:41: Und dann bekommt man Post.

00:06:42: Und dieses BEM-Schreiben, das muss man wissen,

00:06:45: das hat auch einen rechtlichen Charakter.

00:06:47: Deswegen waren da auch Juristen dran.

00:06:49: Deswegen wirkt das ein bisschen herzlos und wird

00:06:51: zu einem BEM-Verfahren eingeladen.

00:06:53: Und da steht dann auch drin, wen man

00:06:55: ansprechen kann.

00:06:56: Das ist der oder die BEM-Koordinatorin, die

00:06:59: dann das Gespräch mit einem sucht.

00:07:01: Und da stellt man sich dann halt das

00:07:02: BEM-Team so zusammen.

00:07:04: Und da kann man sich in der Regel

00:07:05: aussuchen, wer dabei sein soll.

00:07:08: Und in der Regel, also wie soll ich

00:07:10: es ausdrücken?

00:07:11: Da wird einem sehr gut bei geholfen, dieses

00:07:13: BEM-Team zusammenzustellen.

00:07:15: Und die BEM-Runden verlaufen immer unterschiedlich, ist

00:07:17: meine Erfahrung, weil es halt immer auch individuell

00:07:21: andere Situationen sind.

00:07:22: Und deswegen muss man da immer individuelle Lösungen

00:07:25: suchen.

00:07:25: Und das ist wirklich die anstrengendste Tätigkeit, weil

00:07:28: es nicht so einfach ist, dass man einfach

00:07:31: irgendwo was macht.

00:07:32: Sondern das dauert viele, viele Termine.

00:07:35: Manchmal geht das über ein halbes Jahr oder

00:07:37: noch länger.

00:07:38: Ja, die Erfahrung durfte ich auch machen.

00:07:40: Als begleitende Person, also ich nehme es als

00:07:42: wohlwollender Prozess wahr.

00:07:44: Es ist aber mitunter schon mal langwierig.

00:07:47: Und die einfache Lösung liegt nicht sofort auf

00:07:49: dem Tisch.

00:07:49: Die muss man sich manchmal auch gemeinsam erarbeiten.

00:07:52: Ja, und du hast ja eben die Frage

00:07:54: gestellt, warum ist das so wichtig, diese Befragung,

00:07:58: warum sind die Ergebnisse hilfreich?

00:08:00: Sie sind ein Baustein dabei, über ein gutes

00:08:03: Arbeitsklima oder auch Vorgesetzten zu helfen, die vielleicht

00:08:07: in einer Situation stecken, die sie überfordert oder

00:08:09: wo ihnen etwas fehlt oder wo ein Team

00:08:12: so ist, dass man es überhaupt gar nicht

00:08:14: gut führen kann.

00:08:15: Alles das zusammen führt dazu, dass wenn man diese

00:08:18: Konflikte, diese Schwierigkeiten aufbrechen kann, dass wir hinten

00:08:21: raus weniger Schwerbehinderte haben, Gleichgestellte haben, weniger BEMlinge,

00:08:27: weniger BEM Verfahren und in Summe dann ein besseres

00:08:30: Arbeitsklima.

00:08:30: Und deswegen ist es auch gut, dass der

00:08:32: Strategieausschuss da so viel Zeit investiert in Auswertung,

00:08:36: in Diskussion.

00:08:37: Und es ist versprochen, dass wenn wir wieder

00:08:40: diese Mitarbeiterbefragung haben, dass wir genau das Gleiche

00:08:43: tun, um zu sehen, ob das auch besser

00:08:45: geworden ist.

00:08:46: Ja, ich wünsche euch gute Ergebnisse und gute

00:08:49: Lösungen.

00:08:50: Ja, und ich habe das jetzt so formuliert.

00:08:52: Erstmal müssen wir wieder gewählt werden.

00:08:54: Dann können wir auch die Auswertung nächstes Jahr

00:08:56: machen.

00:08:57: Aber es ist so aufgebaut worden, dass es

00:09:00: auch Nachfolger, die sich mit dem Thema beschäftigen

00:09:03: können, dann auch übernehmen können.

00:09:05: Weil es muss ja so sein, dass Arbeit

00:09:07: auch durch jemand anders erledigt werden kann.

00:09:09: Dann sind wir durch, oder?

00:09:11: Ja, also meiner Meinung nach schon.

00:09:13: Ich denke, viel mehr würde jetzt vielleicht auch

00:09:15: langweilen.

00:09:16: Ja, dann gehen wir in den Feierabend.

00:09:17: Mach's gut.

00:09:18: Tschüss.

00:09:18: Ja, du auch.

00:09:19: Tschüss.

00:09:20:

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